Still Ill | Own Blood Magazine

OBM: Hi Jungs! Bitte stellt uns „Still Ill“ kurz vor.
Grüß dich! Still Ill besteht aus Michael und Halma an den Gitarren, Dennis am Bass, Martin am Schlagzeug und ich am Mikrofon. Michael und Dennis haben zuvor schon bei Knoxville, Kill This Dream und Papers Please zusammen Musik gemacht. Martin spielte vorher bei Torn Apart und aktuell noch bei We Are Dust. Halma spielt nebenher noch Bass bei Cellahead und ich hab früher bei Sneak Attaack gesungen.

OBM: Mit "Building The Beast" veröffentlicht ihr eure Debüt-LP, diese bis jetzt durchweg höchst positive Rezensionen bekommen hat! Wie sehr freut man sich, wenn sich die harte Arbeit die man in die eigenen Songs gesteckt hat, großen Anklang bei den Leuten findet?
Wir freuen uns natürlich sehr über die positiven Resonanzen in den ganzen Reviews, allerdings sind das auch nur nette Worte im Internet oder in einem Magazin. Uns ist es vor allem wichtig, dass die Songs live bei den Leuten ankommen und die Kids Bock drauf haben. Wir haben bisher neben dem Release-Weekender relativ wenig gespielt und sind daher noch sehr gespannt darauf, ob sich die bisherigen Resonanzen auch Live wiederspiegeln werden. Aber ansonsten ist es natürlich so wie du es sagst: wir haben viel Arbeit in die Songs gesteckt und als das erste Review dann direkt positiv klang, ist auf jeden Fall eine kleine Last von den Schultern gefallen!

OBM: Über 2 Jahre Arbeit stecken in "Building The Beast", warum habt ihr euch so viel Zeit gelassen um die Songs zu veröffentlichen?
Die zeitliche Distanz zwischen Split-CD und Debut LP waren am Ende fast sogar drei Jahre. Ein Jahr ging dabei für das eigentliche Schreiben der Songs und erste Aufnahmen drauf. Unser alter Drummer Sebastian verließ dann jedoch die Band und so kam das Projekt „Building The Beast“ erstmal zum Stillstand. Etwas mehr als ein Jahr ging dann dafür drauf einen Ersatz zu finden, alle Songs zu lernen, Live-Erfahrung zu sammeln und die Songs mit dem neuen Einfluss von Martin zu verbessern. Die restliche Zeit ging dann für die finalen Aufnahmen bei Manuel von Parabol Audio und die Produktionszeit des Vinyls drauf. Alleine diese beiden Punkte kosteten über sechs Monate Zeit. Am langen Ende hat sich das Warten für uns aber auf jeden Fall gelohnt – das Release ist genauso, wie wir es uns vor drei Jahren vorgestellt haben und wir sind ohne größere Kritikpunkte zufrieden. Zusätzlich wissen wir auch jetzt schon, was wir beim nächsten Release besser machen werden – und das wird hoffentlich deutlich schneller folgen.

OBM: Was war euch besonders wichtig bei der Produktion, hattet ihr genaue Vorstellungen wie eure Songs klingen sollen?
Die Soundsuche war bei uns ein großes Abenteuer. Wir haben zuerst das Tuning komplett tiefer gestimmt, um einen etwas schwereren und düsteren Sound erzeugen zu können, als er z.B. auf der Split noch vorhanden war. Wir haben wirklich sehr lang an verschiedenen Gitarrensounds rumprobiert. Am Ende ist das auch der einzige Punkt, wo wir nicht ganz zufrieden waren, das lag aber an unserer eigenen Unwissenheit, wo wir eigentlich hin wollten. Aber auch das nehmen wir mit für das nächste Release und versuchen da auch vom Sound noch einen drauf setzen zu können.

OBM: Wie kann man sich die Arbeit im Studio von euch vorstellen, schließt ihr euch über Tage dort ein und nehmt auf oder geht ihr da Stück für Stück vor?
Die Arbeit zu „Building The Beast“ ging tatsächlich sehr zerstückelt von statten. Wir haben an einem Wochenende das Schlagzeug eingespielt, an einem anderen dann den Bass und Schmutzspuren für die Gitarren. Dann zog sich ein kleines Dilemma durch die Aufnahmen und die Gitarrenspuren dauerten leider sehr lange und wurden in mehrfachen Sitzungen eingespielt und wieder verworfen. Später gab es dann mehrere Gesangstermine und am Ende stand dann zum Glück alles. Für das nächste Mal gilt auch hier: Eine Woche irgendwo einsperren und erst rauskommen, wenn alles 100% sitzt.

OBM: Euer Album heißt „Building The Beast“. Das kann auf verschiedene Art und Weise interpretiert werden. Was steckt hinter diesem Titel?
Das darf und soll natürlich jeder ein wenig für sich selber Interpretieren. Gerade das Artwork gibt da hoffentlich einiges an Spielraum. Wenn man es aber auf das Konzept der Texte runterbricht, so sprechen wir damit die Art und Weise an, wie sich unsere Gesellschaft ins Negative verändert. Der Mensch wird zur Bestie und vernichtet alles um ihn herum – inklusive sich selbst. Diese Verrohung löst eine Art Kettenreaktion aus, durch die auch Menschen, welche Gutes im Sinn hatten, teilweise gezwungen werden schlecht zu handeln. Der Kreislauf setzt sich so endlos fort und macht es unglaublich schwer, daraus zu entkommen. Ich denke aber auch innerhalb der Band, bezieht jeder den Titel etwas anders auf seine eigene Sicht der Dinge.

OBM: Welche Themen behandelt ihr in euren neuen Songs und was möchtet ihr euren Zuhörern damit vermitteln? Verarbeitet ihr auch aktuelle geschehnisse die auf der Welt passieren in eure Songs?
Auf der Demo habe ich noch eher private Themen behandelt, welche nicht wirklich tiefgründig waren und mich eher so im Alltag beschäftigt haben. Auf der Split wurde es teilweise etwas tiefer und etwas kritischer. Die LP befasst sich fast ausschließlich mit den Problemen, die ich in unserer Gesellschaft sehe und versucht teilweise Lösungsansätze zu bieten. Die können ganz profan sein, z.B. einfach gegen Alltags-Rassismus einzustehen, selber seine Fehler einzusehen und diese zu reflektieren oder sich nicht den Leuten zu beugen, die Gewalt instrumentalisieren und benutzen um sich zu bereichern. Aber auch hier muss jeder für sich selbst bestimmen, was er aus den Texten mitnimmt und wie er das dann für sich umsetzt. Es ist also nicht auf einzelne Geschehnisse bezogen, sondern eher ein allgemeiner Rundumschlag. Aber auch das würde ich gerne auf der nächsten Platte etwas anders angehen. Mal sehen wohin mich das so führt.

OBM: Welcher Song liegt euch besonders am Herzen und an welchem habt ihr besonders lange gearbeitet?
„Frozen Souls“ sticht hervor, weil es der erste Song war, der unseren neuen Sound eingeführt hat und super gut angenommen worden ist. „Lost All Faith“ hat uns am meisten Mühen gekostet und hatte in seiner Entstehungsgeschichte mindestens zehn verschiedene Enden. Ich persönlich mag „Violent Few“ und „Minutes To Midnight“ am liebsten. Ersteren weil ich ihn sehr treibend finde und den Zweiten, weil er eine andere Seite von unserem Sound zeigt, die aber meiner Meinung nach trotzdem super funktioniert. Das liegt nicht zuletzt an dem super Feature von Fabio Countdown.

OBM: "Building The Beast " hat ein sehr interessantes Artwork, für das Micha von OPTIMIST zuständig war, wie kam es dazu und inwieweit spiegelt es den Inhalt eures Albums wieder?
Micha hat das Artwork arrangiert und alles an Text draufgejagt. Die Zeichnungen selber stammen von Devilreject ART aus Indonesien. Das Artwork sollte die düstere Stimmung des Konzepts aufgreifen und versuchen bildlich darzustellen, was wir am Ende musikalisch Ausdrücken wollen. Auf dem Cover sieht man letztendlich einen Menschen, welcher sich in der Verwandlung zum „Biest“ befindet – auf der Innenseite der Gatefold-Hülle dann schließlich die vollendete Variante. Diese wird dargestellt durch eine Mischung aus dem Baphomet und dem vitruvianischen Menschen. Uns gefielt die Idee diese beiden bekannten Bilder zu vereinen. Eine Symbiose aus Dämon/Götze und dem modernen Menschen.

OBM: Denkt ihr, dass sich die Hardcore/Metal-Szene sich heutzutage selbst zu ernst nimmt?
Ach ich weiß nicht, ich glaube nicht. Wir haben immer viel Spaß auf der Bühne und machen relativ viel Quatsch, obwohl wir ernsthaft(e) Musik machen. Und ich denke das geht vielen Bands genauso. Ich sehe das Problem eher im Gegenteil, dass viel zu viele das Ganze überhaupt nicht mehr ernst nehmen. Da geht es nur noch um den coolsten Style, die neusten Sneaker und wer am härtesten mosht. Das macht man dann zwei Jahre lang und ab geht’s auf den nächsten Zug. Das ist aber die letzten Jahre schon immer so gewesen. Ich hatte 2008/2009 das Gefühl, dass die halbe NRW-Szene weggeschrumpft ist, weil alle auf einmal Elektro hören und Pepp ziehen. Das waren dann aber halt auch dieselben Leute, die wiederrum zwei Jahre zuvor erst auf die MySpace Emo/Hardcore-Schiene draufgesprungen sind. Da bilden sich halt absolute Parallelszenen und es gibt kein großes Miteinander mehr. Dasselbe Phänomen spielt sich im Osten gerade teilweise ab, hab ich so das Gefühl. Da hört man nun entweder nur Beatdown und flankt auf Shows alles im Pit weg, oder hört Youth Crew und ist Straight Edge.

OBM: Welches sind eure fünf liebsten Punk/Hardcore/Metal-Bands im Moment und weshalb?
Da kann ich nur für mich sprechen, aber ich find Deathbearer aus Hamburg super stark, weil die einfach alles wegballern mit ihrer 7“ „Suffering“. Lowest Creature unterhalten mich seit fast zwei Jahren nun konstant und bringen auch eine neue 7“ via Powertrip raus. Ansonsten fand ich in den letzten Jahren Dull Eyes und Trapjaw geil. Aber das sind auch alles nur so Momenteindrücke, das kann von Woche zu Woche schwanken.

OBM: Was ist die schlimmste Frage, die euch in Interviews bis jetzt gestellt wurde?
Bisher eigentlich keine, ich würd mir nur als Sänger mehr Fragen wünschen, die sich z.B. direkt auf Texte beziehen. Wo ich einfach so das Gefühl bekommen würde „Geil, der hat den Text gelesen und macht sich gerade so seine Gedanken dazu.“. Da dürfte man mich auch gerne in eine Diskussion zu verwickeln, wo ich mich erklären müsste. Das fände ich spannend.

OBM: Welche Menschen außerhalb der Band halten Still Ill am Laufen?
Das ist auch eine sehr coole Frage – weil diese Leute nämlich immer vergessen werden, aber unglaublich wichtig sind. Bei uns natürlich ganz vorne Manuel von Parabol, der seit der Split CD für unseren Sound zuständig ist und da wirklich enorm viel Herzblut mit reingesteckt hat. Auch Live mischt uns der Gute häufig und macht das auch sehr gut. Jan Hoffmann von Injustice Records/Sharp Darts Booking und Michael von Optimist haben uns enorm geholfen was Grafikdesign angeht. Julius von Black Soul ebenfalls. Das umfasst Facebook-Grafiken als auch Merchandise. Unsere Freundinnen in der Band helfen uns wo sie können an den Merch-Tischen aus und machen dabei auch einen fabelhaften Job. Til von KONSTRUKTOR hat uns geholfen die Release-Show-Sleeves zu basteln. Ansonsten korrigiert Chris Colucci von der Chicagoer Band COUNTERWEIGHT immer brav meine Texte. Und zu guter Letzt halten natürlich vor allem die Menschen die Band am Laufen, die uns auf ihre Show mit draufbuchen, uns Essen, Trinken und Spritgeld in die Hand drücken und die Menschen, die diese Shows dann auch besuchen und vielleicht sogar noch eine Platte oder ein Shirt von uns mitnehmen und das ermöglichen.


OBM: Was mögt ihr an eurer Heimat-Stadt Aachen am meisten und was sollte man unbedingt in Aachen unternehmen, wenn man dort ist?
Aachen ist angenehm klein und hat trotzdem keinen „Dorfcharakter“. Ich mag die Geschichte der Stadt sehr gerne und die lokalen Besonderheiten, wie z.B. das Öcher Platt oder die Printen-Kultur. Auch dass die Stadt sehr multikulturell geprägt ist und sehr weltoffen ist, find ich spitze. PEGIDA hat einmal einen Versuch gestartet, hier ihr Gift zu versprühen und es waren zehnmal mehr Gegendemonstranten als Teilnehmer vor Ort. Das macht mich stolz und glücklich. Ansonsten sollte man sich auf jeden Fall den Aachener Dom, den Marktplatz und das Rathaus angucken. Generell ist die Innenstadt gerade an Sommertagen immer einen Besuch wert. Im AKL in der Pontstraße sollte man sich dann Falafel und Hummus gönnen, bei Yomaro am Elisenbrunnen gibt’s super (veganen) Frozen Yoghurt.


OBM: Gibt ist es in Aachen noch andere Bands, die ihr unseren Lesern ans Herz legen möchtet?
Es gibt gerade aus der Aachener Gegend viele coole Bands, die zwar nicht zwingend Hardcore machen, aber auch ausgecheckt werden sollten. Dazu zählen I.W.S, We Are Anchors, Cellahead, We Are Dust und Release Us. Zu den größeren Bands zählen sicherlich Nasty und FJØRT. Nicht mehr aktiv, aber zwingend auszuchecken sind Trainwreck, Kill This Dream, Cheap Thrills und Look My Way. 

OBM: Der Schluss gebührt euch, hier könnt ihr alles loswerden, was wir vergessen haben zu fragen, euch auf dem Herzen brennt oder ihr schon immer einmal in einem Interview rauslassen wolltet!
Vielen Dank für die Fragen und dein Interesse an uns! Vielen Dank an jeden Leser, der bis hierhin durchgehalten hat. Checkt unsere Platte „Building The Beast“ auf Demons Run Amok und besucht uns auf einem Konzert und sagt Hallo! Wir geloben, dass der neue Kram schneller kommt als das Album und mindestens doppelt so schön klingen wird!

STILL ILL | Building The Beast feat. Kevin Optimist

DISKOGRAFIE

Still Ill | Building The Beast
Erscheinungsdatum: 11.März 2016
Label: Demons Run Amok Entertainment

Still Ill / On the Run | Court Blues Split
Erscheinungsdatum: 23.März 2013
Label: Hard Coal Records

Still Ill | Demo 2012
Erscheinungsdatum: 18.Mai 2012
Label: Hard Coal Records

LINE UP

Markus | Gesang

Halma | Gitarre

Micha | Gitarre

Dennis | Bass

Martin | Schlagzeug

BAND WEBSITES

       

"Die Soundsuche war bei uns ein großes Abenteuer. Wir haben zuerst das Tuning komplett tiefer gestimmt, um einen etwas schwereren und düsteren Sound erzeugen zu können, als er z.B. auf der Split noch vorhanden war. Wir haben wirklich sehr lang an verschiedenen Gitarrensounds rumprobiert. Am Ende ist das auch der einzige Punkt, wo wir nicht ganz zufrieden waren, das lag aber an unserer eigenen Unwissenheit, wo wir eigentlich hin wollten. Aber auch das nehmen wir mit für das nächste Release und versuchen da auch vom Sound noch einen drauf setzen zu können.

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